Die Ballade von der Fürstin
Hützendorf, die nach langen, erlebnisreichen
Jugendjahren das Glück ihres Lebens fand.
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Die zwei Sprecher (Poet und Realist)
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Kommentar
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Vor vierzehn Jahren ...
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Der Poet stößt den Realisten an, da dieser
falsch beginnt
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Die Begrüßung!
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Liebes Brautpaar, liebe Gäste!
Vor vierzehn Jahren ...
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Der Poet drängelt sich in den Vordergrund,
ergreift das Wort:
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Heut zu euerm hohen Feste
wollen wir euch etwas singen.
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Bitte?
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Nehmt die Lauten, lasst sie klingen!
Ein Märchen soll es heute geben, ...
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Oh, nein!
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Der Realist fasst sich verzweifelt an den Kopf.
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...ein Märchen voller Lust und Leben,
voller Liebe und Magie -
hört ihr's jetzt nicht, hört ihr's nie!
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So und jetzt fangen wir an;
Vor sechzehn Jahren ...
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Wieder wird der Realist vom Poeten unterbrochen.
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Es war einmal vor vielen Jahren, ...
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Vor sechzehn um genau zu sein.
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Vor sechzehn Jahren haben sie sich kennen gelernt.
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...es war im Wunderland Schwerin,
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Damals tiefster Osten!
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Die Ausbildung fand in Schwerin (Mecklenburg) statt.
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da sah man Mägdelein in Scharen
zu einem fürstlich Hofe zieh'n.
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Ein kleiner abgewrackter Schulhof!
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Die eine kam vom Hützenland, ...
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Hützendorf hieß das
Nest!
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besaß dort Hof und Hund ...
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Den lütten Köter, den
Murmel!
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So hieß Anna-Christins heiß geliebter
Hund.
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und mit den andern Mädchen stand
sie auf dem Hof zur Stund.
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Kam sie nicht zu spät?
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An dieses auffällige Zuspätkommen am ersten
Tag erinnerte die ganze Klasse sich noch sehr lange.
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Sie trug zum Dutte aufgesteckt
ihr goldnes Haar so lang, ...
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Dunkelbond.
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schritt selbstbewusst und aufgeweckt
vorn in die erste Bank.
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Was sich sonst niemand traute!
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Alle waren fasziniert von Anna-Christins
Selbstbewusstsein.
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Sie zogen in ein Schloss zum Träumen,
das fast zum Himmel ragte
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Typisch zehnstöckiger,
ostdeutscher Plattenbau
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Das Internat stand im Neubaugebiet.
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mit langen Gängen, hohen Räumen,
so dass es wohl behagte.
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So groß wie 'ne
Hundehütte!
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Heute steht das Schloss so leer, als ob dort niemand
wohne ...
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Das wollen wir auch keinem mehr
zumuten!
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Das Haus wartet quasi seit der Wende auf seinen
Abriss.
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und in der Ferne rauscht das Meer, ...
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Das Häusermeer.
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doch leer sind die Balkone.
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Hier haben sie oft zusammen gesessen und gegessen.
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Damals wuchs ums Schloss ein Wall
wie tausend Dornenhecken.
Er schützte Mägedelein vor'm Fall,
vor ungebet'nen Recken.
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Die Türdame konnte
schließlich nicht jeden hereinlassen!
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Die jungen Damen hatten sich oft über die strengen
Sitten beklagt.
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Tag täglich früh um sechse war
die Nacht im Schloss verschieden
da gleiteten wie Engleins Schar
die Mägdelein hernieden!
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Und manchmal blieben die kleinen,
süßen Engelein auch im Fahrstuhl stecken!
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