Ballade - Beispiel

Unser Beispiel für eine Ballade wurde zur Hochzeit von Anna-Christin und Markus geschrieben. Es ist die Geschichte Anna-Christins von ihrer Ausbildung bis zu ihrer Hochzeit. Langjährige Freunde, die während der Ausbildung mit ihr im Wohnheim Zimmer an Zimmer wohnten, schenkten ihr diese Ballade. Sie ist so aufgebaut, dass sie von zwei Sprechern vorgeführt wird, dem Poeten und dem Realisten. Auch dieses Märchen wurde anonymisiert und Sie lesen hier einen Ausschnitt.


Die Ballade von der Fürstin Hützendorf, die nach langen, erlebnisreichen Jugendjahren das Glück ihres Lebens fand.

Die zwei Sprecher (Poet und Realist)

Kommentar

Poet

Realist

Vor vierzehn Jahren ...

Der Poet stößt den Realisten an, da dieser falsch beginnt

Die Begrüßung!

 

Liebes Brautpaar, liebe Gäste!
Vor vierzehn Jahren ...

Der Poet drängelt sich in den Vordergrund, ergreift das Wort:

Heut zu euerm hohen Feste
wollen wir euch etwas singen.

 

Bitte?

 

Nehmt die Lauten, lasst sie klingen!
Ein Märchen soll es heute geben, ...

 

Oh, nein!

Der Realist fasst sich verzweifelt an den Kopf.

...ein Märchen voller Lust und Leben,
voller Liebe und Magie -
hört ihr's jetzt nicht, hört ihr's nie!

 

So und jetzt fangen wir an;
Vor sechzehn Jahren ...

Wieder wird der Realist vom Poeten unterbrochen.

Es war einmal vor vielen Jahren, ...

 

Vor sechzehn um genau zu sein.

Vor sechzehn Jahren haben sie sich kennen gelernt.

...es war im Wunderland Schwerin,

 

Damals tiefster Osten!

Die Ausbildung fand in Schwerin (Mecklenburg) statt.

da sah man Mägdelein in Scharen
zu einem fürstlich Hofe zieh'n.

 

Ein kleiner abgewrackter Schulhof!

 

Die eine kam vom Hützenland, ...

 

Hützendorf hieß das Nest!

 

besaß dort Hof und Hund ...

 

Den lütten Köter, den Murmel!

So hieß Anna-Christins heiß geliebter Hund.

und mit den andern Mädchen stand
sie auf dem Hof zur Stund.

 

Kam sie nicht zu spät?

An dieses auffällige Zuspätkommen am ersten Tag erinnerte die ganze Klasse sich noch sehr lange.

Sie trug zum Dutte aufgesteckt
ihr goldnes Haar so lang, ...

 

Dunkelbond.

 

schritt selbstbewusst und aufgeweckt
vorn in die erste Bank.

 

Was sich sonst niemand traute!

Alle waren fasziniert von Anna-Christins Selbstbewusstsein.

Sie zogen in ein Schloss zum Träumen,
das fast zum Himmel ragte

 

Typisch zehnstöckiger, ostdeutscher Plattenbau

Das Internat stand im Neubaugebiet.

mit langen Gängen, hohen Räumen,
so dass es wohl behagte.

 

So groß wie 'ne Hundehütte!

 

Heute steht das Schloss so leer, als ob dort niemand wohne ...

 

Das wollen wir auch keinem mehr zumuten!

Das Haus wartet quasi seit der Wende auf seinen Abriss.

und in der Ferne rauscht das Meer, ...

 

Das Häusermeer.

 

doch leer sind die Balkone.

Hier haben sie oft zusammen gesessen und gegessen.

Damals wuchs ums Schloss ein Wall
wie tausend Dornenhecken.
Er schützte Mägedelein vor'm Fall,
vor ungebet'nen Recken.

 

Die Türdame konnte schließlich nicht jeden hereinlassen!

Die jungen Damen hatten sich oft über die strengen Sitten beklagt.

Tag täglich früh um sechse war
die Nacht im Schloss verschieden
da gleiteten wie Engleins Schar
die Mägdelein hernieden!

 

Und manchmal blieben die kleinen, süßen Engelein auch im Fahrstuhl stecken!

 

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